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9. Bernstein - Begriffsbestimmung Der Baltische Bernstein lagerte ursprünglich im Großbereich des Samlandes in der sogenannten Blauen Erde. Heute finden wir ihn nicht nur dort. Durch den Gletschertransport in der Eiszeit und durch die Schmelzflüsse gelangte er zum Beispiel sowohl in die See als auch in Ablagerungen, die wir heute in vielen Kiesgruben finden, zum Beispiel in der Berliner Gegend und im Emsland. Wir können also den Seebernstein (Ostsee / Nordsee) und den Erdbernstein (irgendwo in der Erde gelagert) unterscheiden. Der Erdbernstein hat eine stärkere Verwitterungskruste, je nachdem, mit wie viel Luft er in Kontakt geraten ist. Lagerte er im Grundwasser, so ist diese Verwitterungskruste minimal. Entsprechend abgeschliffener ist der Seebernstein, der auch weniger Schlaubensteine enthält, da diese leichter durch die Brandung zerschlagen werden. Beide Bernsteine bezeichnet man als Naturbernsteine, da sie durch den Menschen nicht künstlich behandelt wurden. Bernstein kann durch Erhitzen (früher zum Beispiel im Ölbad) geklärt werden, d.h. Trübungen verschwinden. Der Bernstein wird dabei zwischenzeitlich weicher, Blasen können entweichen. Nach dem Erkalten ist dieser Bernstein auch etwas fester und besser für die Schmuckherstellung geeignet. Er ist aber kein Naturbernstein mehr, sondern Geklärter Bernstein = Gekochter Bernstein. Noch klarer und härter bekommt man den Bernstein, wenn man ihn in einer Autoklave (autoklavierter Bernstein) behandelt. In diesen Geräten wird ein unglaublich hoher Druck aufgebaut, dabei entsteht auch starke Hitze. Viele typische Eigenschaften sind dadurch verloren gegangen - vor allem sind die ätherischen Duftstoffe entwichen, die den Naturbernstein beim Beschleifen so angenehm riechen lassen. "Sonnenflinten": Entgegen der landläufigen Meinung entstehen diese Flinten nicht beim Abkühlen erhitzten Bernsteins, sondern in einer bestimmten Phase der Erwärmung. Genaue Kenntnisse darüber sind nur durch aufwendige Versuchsreihen zu bekommen. Diese Art von Bernstein ist in der Schmuckherstellung sehr beliebt. Fazit: Naturbernstein hat seine ureigene Farbe. Nach dem Beschleifen kommt diese Farbe optimal zur Geltung. Man findet kaum zwei Naturbernsteine, die sich in Farbe und Struktur gleichen. Das kann man nur erreichen, indem man einen größeren Naturbernstein zersägt. Sieht man also eine klare Bernsteinkette, bei der alle Perlen die identische Farbe haben, dann kann man meistens davon ausgehen, dass es Echter Bernstein, aber kein Naturbernstein ist, durch Hitzebehandlung so gleich hergestellt. Das machte man auch schon vor hundert Jahren und solche alten Ketten sind durchaus wertvoll. Aber Naturbernstein ist es eben nicht! Ergänzung zum Thema "Autoklavierter Bernstein": Man kann den Autoklaven aber auch schonend einsetzen - und das mit guten Ergebnissen auch bei Einschlüssen im Bernstein. Einige Inklusen sind meist einseitig weißlich teilweise oder ganz verlumt. Bei dem richtigen Einsatz des Autoklaven (und das sind die Geheimnisse der Spezialisten) kann man diese unschönen störenden Verlumungen tatsächlich auflösen. Das funktioniert hervorragend bei Einschlüssen, die einen harten Panzer haben, z.B. bei Käfern oder Asseln. Unschöne Ergebnisse gibt es bei zarteren Einschlüssen, z.B. Mücken, die dann schwarz und zusammengepresst aussehen, wobei manchmal auch die Flügeläderung kaum noch zu erkennen ist. Da der Bernstein im Autoklaven vorübergehend weich wird, verschwinden normalerweise durch den Druck auch Luftbläschen bzw. werden stark zusammengepresst. So werden auch die Einschlüsse (die ja nur Hohlräume im Bernstein sind) zusammengepresst und sehen dann verschrumpelt aus (Ausnahme s.o.): Dazu aber hier ein Rätsel: in einem stark autoklavierten Bernstein findet sich direkt nebeneinander eine schwarz verschrumpelte Mücke und eine durch Gärung aufgequollene Fliege, die also nicht durch den hohen Druck zusammengepresst wurde… Warum ist so viel autoklavierter Bernstein auf dem Markt? Zeit bedeutet Geld, auch in Russland. Und so werden die Rohbernsteine nicht mehr aufwendig daraufhin untersucht, ob sie Inklusen enthalten könnten, sondern direkt im Autoklaven behandelt. Der autoklavierte Bernstein ist fester und besser zu Schmuck zu verarbeiten - und viele Käufer finden den klaren autoklavierten Bernstein sogar noch schöner, zumal er Farben bekommen kann, die Naturbernsteine nicht aufweisen. Informationen: Für den bernsteininteressierten Neueinsteiger, aber auch für 'Alte Hasen', habe ich einige interessante Informationen zusammengestellt, die vielleicht hilfreich sein können (einfach anklicken): 1. Wie bearbeite ich Bernstein per Hand? 2. Wie erkenne ich Bernstein? 3. Wie erkenne ich eine Inklusen-Fälschung? 4. Wie lagere ich Bernstein? 5. Wie archiviere ich meine Inklusen? 6. Konservierung von Bernstein nach der Lackmethode 7. Konservierung von Bernstein im Kunstharzblock 8. Bernstein trommeln 9. Begriffsbestimmung 10. Name / Physikal.-chem. Eigenschaften des Bernsteins 11. Die Verwendung von Bernstein, Bernsteinprodukten 12. Neue Untersuchungsmethoden, Spektroskopie 13. Bernstein-Erscheinungsformen, Bernsteinfarben 14. Bernstein-Verwitterung 15. Entstehung des Bernsteins, Alter, Arten 16. Wie betrachte ich Einschlüsse im Bernstein? 17. Wie-Wo finde ich Bernstein? 18. Fundorte aus aller Welt 19. Literaturneuerscheinungen 20. Links zu anderen Bernsteinseiten 21. Der Wert eines Einschlusses (Inkluse) 22. Über die Häufigkeit von tierischen Einschlüssen im Bernstein 23. Systematik der Tiere und Pflanzen im Bernstein 24. Die Blaue Erde von Palmnicken 25. Zur Entstehung einer Wasserwaage 26. Altersbestimmung von Bernstein 27. Evolutionsgeschwindigkeit und Bernstein 28. Mein Arbeitsplatz 29. VORTEILE VON AMBERTOP 30. SCHLEIFSET BESTELLEN 31. Köcherfliegen mit blauen Augen ?? 32. Fische im Bernstein 33. Wasserinsekten im Bernstein 34. Sand im Bernstein 35. Spinnennetze im Bernstein 36. Puschelfühler im Harz 37. Pilze im Bernstein 38. Kiefernnadel im Bernstein 39. Farberhaltung im Bernstein 40. Raritäten im Bernstein 41. Der Bernsteinwald 42. Aktionen aus dem Bernsteinwald 43. Bernstein - Thermometer 44. Musik im Bernsteinwald 45. Ungeklärte Fragen 46. "Sagenhafter" Bernstein 47. Das Bernsteinzimmer 48. Arbeitskreis Bernstein 49. Kolophonium - Freude über "Bernstein"-Riesenfund 50. Achtung - Gebührenfalle bei Internetgeschäften 51. Mexikoreise, Chiapas-Bernstein 52. Mein größter Bernsteinfund 53. Abenteuer Bitterfeld 54. Rumänit - Reise in die Vergangenheit 88. Verkäufliche Inklusen (Einschlüsse) 95. Verkäufliche Inklusen (Einschlüsse) 96. Darß - nah am Bernstein! 97. Baltrum - Dornröschen der Nordsee 98. Das Niederlagshaus 99. DIVERSES |